Praxisforschung und Forschungsförderung

Über die Anzahl an Personen afrikanischer Herkunft stehen wenige Statistiken zur Verfügung, die Rückschlüsse auf das Leben Schwarzer Menschen in Deutschland erlauben. Zurzeit kann die Anzahl Schwarzer Menschen in Deutschland nur auf Basis der Statistik zu Menschen mit einem afrikanischen Migrationshintergrund (MH) geschätzt werden. Laut Mikrozensus haben in Deutschland 856.000 Menschen einen afrikanischen MH. Geht man aber nur vom »Migrationshintergrund« aus, unterschätzt man die Anzahl Schwarzer Menschen, da die Statistik keine Informationen über die Großeltern oder vorherige Generationen berücksichtigt. Somit werden weder Deutsche afrikanischer Herkunft in der dritten oder späteren Generation, noch in Deutschland ansässige Afro-Amerikaner*innen oder Afro-Europäer*innen oder andere Gruppen Schwarzer Menschen in diesen Schätzungen sichtbar. Berücksichtigt man all diese Gruppen, ist davon auszugehen, dass in Deutschland über eine Million Menschen afrikanischer Herkunft leben.
Vor dem Hintergrund dieser Erkenntnis wird von Selbstorganisationen deshalb seit langem gefordert, Statistiken zu erheben, die über eine Selbstidentifikation Schwarzen Menschen die Möglichkeit geben, ihre Erfahrungen in der Forschung zu erfassen, zu veröffentlichen und praxisorientiert mitteilen zu können.

Durch das von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) finanzierte Forschungsprojekt »Afrozensus« realisiert EOTO nun in Kooperation mit Citizens For Europe (CfE) 2020 erstmalig eine deutschlandweite Pilotstudie unter Schwarzen Menschen, um grundlegende Aussagen über die Diskriminierungserfahrungen und lebensweltlichen Perspektiven Schwarzer Menschen in Deutschland machen zu können.
Darauf aufbauend wird das Kompetenzzentrum Anti-Schwarzer Rassismus (ASR)weitere quantitative und qualitative Forschung sowie theoretische Reflexionen anregen, praktische Impulse setzen und fachliche Perspektiven bündeln. Die fachtheoretische Fundierung der ASR-Prävention ist hier ein wichtiges Anliegen. Durch theoretische Reflexionen, Praxisstudien, Fachgespräche, Fachsymposien und themenbezogene Veröffentlichungen fördert das EOTO Kompetenzzentrum den Wissenschafts–Praxis–Transfer und trägt somit zur Diversifizierung und Weiterentwicklung der Fachdiskurse aktiv bei. Themenanwaltschaftlich sind hier auch Bemühungen um eine Etablierung der »Black Studies« an deutschen Hochschulen sowie eine dezidierte Nachwuchsförderung für Schwarze Akademiker*innen angesiedelt.